Seit Jahrzehnten stützt sich die Ernährungsforschung auf sogenannte Food Frequency Questionnaires (FFQs), bei denen Teilnehmende angeben, was sie Wochen oder sogar Monate zuvor gegessen haben. Trotz ihrer weiten Verbreitung sind diese Selbstauskunftsmethoden grundsätzlich fehleranfällig – etwa durch Erinnerungslücken und ungenaue Portionsangaben.
Das Centre begegnet diesen Einschränkungen mit der sogenannten Deep Shotgun Metagenomics, einer Technologie, welche die gesamte DNA in einer biologischen Probe sequenziert. Dadurch wird das Darmmikrobiom zu einem molekularen Archiv der Nahrungsaufnahme – unabhängig von subjektiven Angaben.
Unser Ansatz ermöglicht:
- Direkte Lebensmittelrückverfolgung: Nachweis von Spuren-DNA verzehrter Lebensmittel, wodurch spezifische Zutaten wie etwa Walnüsse identifiziert werden können.
- Indikatoren für fermentierte und verarbeitete Lebensmittel: Identifikation lebensmittelassoziierter Mikroorganismen, die den Konsum fermentierter und verarbeiteter Produkte widerspiegeln.
- Bewertung von Ernährungsmustern: Die Analyse funktioneller Gene zeigt, ob das Mikrobiom an eine Ernährung mit hohem Anteil an rotem Fleisch, Ballaststoffen oder komplexen Kohlenhydraten angepasst ist.
Der Mehrwert dieses Ansatzes wird in der CHRIS-Studie, einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Südtirol, deutlich. Die metagenombasierte Ernährungsanalyse zeigte dabei einen Zusammenhang zwischen Fettlebererkrankungen und dem Konsum von verarbeitetem Fleisch. Hinweise auf Fleischverarbeitung konnten durch den Nachweis zweier Schimmelpilzarten erbracht werden, die ausschließlich bei der Reifung von Wurst und Schinkenprodukten eingesetzt werden – ein molekularer Beleg für den Verzehr von Pökelwaren.
Indem subjektive Erinnerungen durch objektive molekulare Messwerte ersetzt werden, liefert das MultiOmics Centre belastbarere Daten und eine deutlich bessere Überprüfung der Ernährungsangaben für Ernährungsstudien und klinische Untersuchungen.